Joyce in Argentinien

Name:
Joyce

Wie lange war dein Praktikum?
Ich habe vier Monate Praktikum gemacht.

Kurze Biografie
Ich bin Joyce, 22 Jahre alt und zweisprachig aufgewachsen (Niederländisch & Spanisch). Im vergangenen Jahr war ich im 4. Jahr meines Sportstudiums an der Fontys Sporthogeschool in Eindhoven und habe außerdem alle vier Jahre in der schönen Stadt Eindhoven gewohnt!

„Falls du zögerst, nach Buenos Aires zu gehen, weil es dir unheimlich erscheint, so weit weg zu sein … Einfach MACHEN! Das ist nämlich eine Lebenserfahrung, die nicht jeder mit sich tragen wird.“ Joyce Penedo Windmeijer

Meine Reise begann am 23. Februar 2018. Ich war schon ein bisschen nervös wegen allem, was kommen würde. Von den sicheren Niederlanden ans andere Ende der Welt, nach Argentinien. Man hat alle möglichen Geschichten von früheren Praktikanten gehört und sich selbst über Argentinien eingelesen, aber trotzdem müssen sich diese Geschichten und Fakten erst noch bewahrheiten. Nach einem ziemlich langen Flug kam ich morgens in Buenos Aires an. Dort erwartete mich ein Mitarbeiter von United Through Sport. Er brachte mich zu dem Ort, an dem ich die nächsten 4 Monate wohnen würde: Pichincha 1033. Ich wurde von der Haushälterin des Hauses, Banessa, willkommen geheißen. Für eine Argentinierin sprach sie sehr gut Englisch, aber sie merkte schnell, dass ich auch Spanisch konnte, also hat sie mich auf Spanisch durch das ganze Haus geführt. Während der Führung traf ich alle möglichen neuen Mitbewohner aus verschiedenen Ländern: Norwegen, Schweden, Dänemark, Amerika, England, Deutschland, Frankreich, Mexiko, Kanada, Schottland und den Niederlanden. All diese Mitbewohner waren nicht nur von United Through Sport. So gab es eine große Gruppe aus Norwegen, die Spanisch mit Philosophie oder Geschichte lernte, eine gemischte Gruppe, die Kurse belegte, um als Englischlehrer zugelassen zu werden, und daneben eine weitere gemischte Gruppe, die nur Spanischkurse besuchte und danach weiterreiste. Das hatte ich selbst nicht vor Augen, als ich ins Haus kam: dass ich mit 35 Mitbewohnern aus allen möglichen Ländern zusammenwohnen würde. Ich merkte sofort, dass es ein geselliges Haus war, denn als ich in die Küche kam, stand die ganze Küche voller Weinflaschen, haha. Ich erfuhr schnell, dass der Wein in diesem Land sehr günstig sein kann. Außerdem waren es 32 Grad, als ich ankam, sodass wir gemütlich auf der Dachterrasse liegen und das Wetter genießen konnten.

„Ich merkte sofort, dass es ein geselliges Haus war, denn als ich in die Küche kam, stand die ganze Küche voller Weinflaschen, haha.“

Aber gut, zurück zum Praktikumsteil! Mein Ziel in Argentinien war, mein Abschlusspraktikum zu absolvieren, wobei ich auch eine Untersuchung für meine Abschlussarbeit durchführen musste. Ich war nicht die Einzige im Praktikum bei United Through Sport, sondern auch zwei andere niederländische Studentinnen im 3. Jahr von InHolland. Sie machten nur das Praktikum, aber keine Forschungsarbeit. Es gab mir ein gutes Gefühl, dass ich nicht allein dastand und mit anderen Niederländerinnen zur selben Gruppe gehörte.

In der ersten Woche hatten wir frei vom Praktikum, weil die Schulen noch geschlossen waren (Sommerferien). In dieser Woche habe ich zusammen mit den zwei anderen niederländischen Mädels Spanischunterricht in einem schönen Gebäude besucht. Am ersten Tag beginnt man mit einem Test, nach dem man einer bestimmten Klasse mit einem bestimmten Niveau zugeteilt wird. Wenn man zum Beispiel A1 hat (niedrigstes Niveau), kommt man meist in eine Gruppe, die gerade in dieser Woche angefangen hat, genau wie man selbst. Ich wurde in B2 eingestuft und kam in eine Gruppe, die schon länger Unterricht hatte. In dieser einen Woche habe ich superviel gelernt, denn ich musste jeden Tag während des Unterrichts nur Spanisch sprechen.

„In dieser einen Woche habe ich superviel gelernt, denn ich musste jeden Tag während des Unterrichts nur Spanisch sprechen.“

Nach dieser ersten Woche begann das Praktikum. Wir wurden zuerst dem Praktikumsbetreuer, dem Direktor und etwas später den Freiwilligen vorgestellt. Außerdem gab der Praktikumsbetreuer eine Einführung über Buenos Aires, aber auch über unsere Aufgaben im Praktikum. Das waren unsere Aufgaben: Sportunterricht an Schulen begleiten, neue Einsatzorte für Freiwillige testen, neue Freiwillige empfangen und durch das Viertel/die Stadt führen, Freiwillige zu den neuen Einsatzorten leiten und sie mit den neuen Einsatzorten vertraut machen, Vertrauens-/Ansprechperson für die Freiwilligen sein, wöchentliche Einkäufe für das Frühstück der Freiwilligen und Praktikanten von United Through Sport erledigen und schließlich wöchentliche Meetings mit den Praktikanten und Leitungspersonen von United Through Sport abhalten. Daneben mussten wir (Praktikanten) zwischendurch kleinere Aufgaben erledigen, wie beim Ausdrucken oder Ergänzen von Dokumenten helfen, Materialien für Einsatzorte kaufen und die Anwesenheit der Freiwilligen überwachen. Nach all diesen Aufgaben hatte ich einige Lernmomente. Die Kinder an den Schulen, an denen man sein Praktikum macht, gewöhnen sich schnell an dich und gehen davon aus, dass du immer wiederkommst. Wenn du auch nur einmal nicht kommst, werden die anderen Praktikanten/Freiwilligen gefragt, wo du bist. Superschön und lieb zu hören, aber das muss man doch berücksichtigen. Manche Freiwillige erschienen aus nicht stichhaltigen Gründen nicht. Die Kinder fragten sich dann, ob es an ihnen lag, dass sie nicht mehr kamen, ob sie nicht nett genug seien. Das ist doch schmerzhaft zu hören, denn es liegt ganz sicher nicht an den Kindern. Sie sind enorm interessiert an dir und außerdem ziemlich anfassfreudig (etwas, das doch anders ist als zu Hause, haha), aber sie meinen es auf eine liebe Art. Außerdem ist es doch sehr praktisch, einigermaßen Spanisch sprechen zu können, sonst ist es schwierig, mit den Kindern zu kommunizieren. Zum Glück bekommen Praktikanten eine kostenlose Spanisch-Unterrichtswoche, die sehr hilfreich ist. Es gibt wenige Kinder, die bereit sind, Englisch mit dir zu sprechen, und meistens sind das Kinder, die zusätzlichen Englischunterricht an einem Englischinstitut nehmen. Trotzdem sind meine Mitpraktikantinnen gut zurechtgekommen, indem sie mit Händen und Füßen gesprochen haben. Nicht nur dadurch, sondern auch durch Erfahrung mit der spanischen Sprache. Je länger man dort ist, desto mehr Wörter und Sätze lernt man. Außerdem habe ich deutlich gemerkt, dass sich die niederländische Kultur sehr von der argentinischen unterscheidet. Wir Niederländer sind sehr direkt und wollen alle Aufgaben so schnell wie möglich erledigt haben. Argentinier sind viel weniger direkt, und die Mentalität ist im Allgemeinen, dass morgen schon alles gut wird. Die Direktheit muss man dann doch etwas anpassen, um gut mit den Leitungspersonen arbeiten zu können. Außerdem muss man akzeptieren, dass in Argentinien alles langsamer geht, denn so ist ihre Kultur, und damit muss man umgehen. Das kann am Anfang frustrierend sein, aber nach und nach gewöhnt man sich daran.

„Wir Niederländer sind sehr direkt und wollen alle Aufgaben so schnell wie möglich erledigt haben. Argentinier sind viel weniger direkt, und die Mentalität ist im Allgemeinen, dass morgen schon alles gut wird.“

Außerdem haben wir (Praktikanten) auch in einer Suppenküche mitgeholfen. Diese Suppenküche befindet sich in einem der ärmsten Viertel von Buenos Aires, Villa 21-24. Als ich das erste Mal dorthin ging, wusste ich nicht, wie mir geschah. Wir gingen zu dritt zu Fuß dorthin, was eigentlich äußerst gefährlich war (die Male danach sind wir mit dem Bus dorthin gefahren). Alle Bewohner dieses Viertels sehen dir an der Kleidung, am Gesicht, an deiner Ausstrahlung an, dass du eine Ausländerin bist. Wir drei Frauen fühlten uns nicht so sicher und sind so schnell wie möglich zu dem Ort gegangen. Dieses Haus kocht Essen für 300 Personen (!!), die kein Geld für Essen haben. Die Mitarbeiter, die das Essen zubereiten, sind alle Freiwillige und kochen auch für ihre Familien, die vorbeikommen, um ihr Essen abzuholen. Sie bekommen Lebensmittel und Geld von verschiedenen Stiftungen und können so für einen Teil des Viertels Essen zubereiten. Wir Praktikantinnen haben beim Kochen und beim Ausgeben des Essens mitgeholfen. Ich bin sehr dankbar, dass ich dort war, denn meine Güte, wie schlecht haben sie es und wie gut haben wir es! Die Portionen, die zum Beispiel Familien mit 5 Personen bekommen, würde ich allein aufessen. Manchmal kommt nur das jüngste Kind, zum Beispiel 6 Jahre alt, um das Essen abzuholen. Völlig schmutzig, unterernährt und hoffnungslos vor sich hin blickend. Nicht nur Kinder, sondern auch Obdachlose, die völlig zugedröhnt vor dir stehen. Aber die lokalen Freiwilligen dieses Hauses stehen in diesem Viertel so hoch im Ansehen und strahlen eine solche Autorität aus, dass uns niemand etwas antun würde. Wir wurden auch immer ordentlich am Haus empfangen und wieder zur Bushaltestelle gebracht. Dieses Begleiten war sicher nötig, da man sonst eine große Chance hatte, ausgeraubt zu werden (was einer anderen Freiwilligen passierte, die nicht zu unserer Organisation gehörte). Was ich aber am bewegendsten fand: Obwohl diese lokalen Freiwilligen nichts hatten und schreckliche Dinge erlebt hatten, standen sie positiv im Leben und wollten hart arbeiten, um doch noch etwas aus ihrem Leben zu machen. Ich schämte mich einfach, wenn sie fragten, wie ich es zu Hause hatte, wie die Niederlande aussehen und wie so ein Studentenleben wie meins aussieht. Verglichen mit ihrer Situation war meine Situation unwirklich. Manche von ihnen wussten nicht einmal, wo die Niederlande liegen und dass es sie überhaupt gibt. Diese lokalen Freiwilligen haben dann auch Träume, irgendwann nach Europa zu kommen oder überhaupt in ein Nachbarland zu reisen. Leider ist das für sie wegen ernsten Geldmangels nicht möglich. Durch Sponsoring von United Through Sport ist die Suppenküche schließlich auch zu einem Ort geworden, an dem Kinder basteln, spielen und malen können. Die glücklichen Gesichter der Kinder und Eltern zu erleben war super!

„Ich bin sehr dankbar, dass ich dort war, denn meine Güte, wie schlecht haben sie es und wie gut haben wir es!“

Aber noch einmal kurz zur Sicherheit des Landes … das ist doch etwas, das wir sicher berücksichtigen mussten. Ich hatte, bevor ich nach Argentinien ging, nicht so im Blick, wie es um die Sicherheit dort steht. Vor allem als Frau ist es nicht sicher, abends allein herumzulaufen, denn es gibt viele Orte mit unangenehmen Leuten. Außerdem wurde mein Handy einmal gestohlen, aber auch das vieler meiner Mitbewohner. Also hiermit ein Tipp: Nimm dein Handy nicht mit, wenn du es nicht brauchst! Außerdem war vom Tragen (auffälligen) Schmucks dringend abzuraten. Ich stand einmal mit einer Mitbewohnerin an einer großen Straße und wartete darauf, hinüberzugehen, da kommt ein Motorrad vorbei, reißt meiner Mitbewohnerin die Kette ab und fährt weiter. Am helllichten Tag war das, also sei immer aufmerksam!

„Also hiermit ein Tipp: Nimm dein Handy nicht mit, wenn du es nicht brauchst!“

Wie schon erwähnt, musste ich auch eine Untersuchung für meine Abschlussarbeit durchführen. Es war eine echte Herausforderung für mich, mit zehn einheimischen Argentiniern ein Interview über ein Bewegungsprogramm von United Through Sport zu führen. Sie reagieren sehr langsam auf Nachrichten oder Mails, haben aber auch ein bisschen Angst, an so einer Untersuchung teilzunehmen, weil sie so etwas noch nie gemacht hatten. Ich war sehr froh, dass ich Spanisch verstand und auch sprechen konnte. Also falls jemand denkt, ich mache meinen Abschluss in Argentinien: Lerne wie verrückt Spanisch! Die Einheimischen sprechen nämlich ziemlich schnell und weitschweifig, und da muss man gut bei der Sache bleiben, um darauf einzugehen. Aber durch all diese Interviews habe ich mein Spanisch auch wieder gut verbessert! Nicht nur durch den Kontakt mit den Befragten, sondern auch mit den Kindern an den Schulen, an den Einsatzorten der Freiwilligen und im Alltag.

„Also falls jemand denkt, ich mache meinen Abschluss in Argentinien: Lerne wie verrückt Spanisch!“

Neben dem Praktikum bei United Through Sport habe ich auch andere unglaublich schöne Dinge gesehen und erlebt. Wir hatten meistens am (späten) Nachmittag frei vom Praktikum, sodass wir (Praktikanten & Freiwillige von UTS & Mitbewohner) oft Orte besucht haben. Wir haben eigentlich so viel in kurzer Zeit gemacht – das wird mir erst jetzt bewusst, während ich das hier schreibe.

Wir haben die Leckereien Argentiniens probiert, wie Dulce de Leche (Karamellaufstrich fürs Brot oder auf Kekse oder Ähnliches), Alfajores (Kekse) und Empanadas. Aber auch das leckerste Steak meines ganzen Lebens gegessen (siehe Foto); die Adresse kann man bei Banessa erfragen, aber der Ort liegt auf jeden Fall im Viertel San Telmo.

„Wir haben eigentlich so viel in kurzer Zeit gemacht – das wird mir erst jetzt bewusst, während ich das hier schreibe.“

Außerdem die berühmte „Milanesa“ gegessen, was für uns eigentlich einfach ein Schnitzel ist, haha. Allerdings war diese Version die Milanesa Napolitana, weil Schinken, Käse und Tomate hinzugefügt wurden. Auch eine Parrilla teilweise probiert, die aus allen möglichen Teilen von Tieren bestand … (zum Beispiel Nieren). War selbst nicht wirklich ein Fan davon, aber alles muss probiert werden! Wir haben auch den Choripán probiert, ein Brötchen mit Bratwurst, zu dem man selbst noch ein paar Dinge als Extra hinzufügen kann (ebenfalls empfehlenswert). United Through Sport organisierte außerdem einen monatlichen Asado, bei dem alle möglichen Fleischsorten, aber auch Gemüsesorten auf den Außengrill des Hauses gelegt wurden.

„UTS organisierte außerdem einen monatlichen Asado, bei dem alle möglichen Fleischsorten, aber auch Gemüsesorten auf den Außengrill des Hauses gelegt wurden.“

Neben all dem Essen haben wir natürlich auch kulturelle Dinge gemacht. So haben wir eine tolle Tangoshow mit Drei-Gänge-Menü und unbegrenzten Getränken besucht. Außerdem haben wir einen der japanischen Gärten von Buenos Aires und die Felder voller Rosen gesehen. Wir haben auch die Tangobrücke in Puerto Madero, die Buenos-Aires-Buchstaben und La Boca (Viertel mit bunten Häusern) besucht. Die Fotos, die du unten siehst, sind Ausflüge, die man leicht an einem Nachmittag machen kann, aber es gibt auch etwas weiter entfernte Orte, die man an einem Tag besuchen kann, wie Tigre. Dort haben wir unter anderem eine einstündige Bootstour gemacht, die sehr schön war. Außerdem haben wir noch weitere Reisen gemacht, für die man einige Tage frei braucht. Ich war damals mit einer Gruppe in Patagonien (Süden Argentiniens). Eine unglaublich tolle Reise, bei der wir viel Natur gesehen haben. Es tut auch mal gut, außerhalb der Stadt zu sein und frische Luft zu atmen. Außerdem kann man dort Paragliding machen, was die beiden anderen niederländischen Mädels gemacht haben, aber auch viele andere Aktivitäten! Auf dieser Reise haben wir wieder neue Menschen kennengelernt, was immer schön bleibt!

„Ich war damals mit einer Gruppe in Patagonien (Süden Argentiniens). Eine unglaublich tolle Reise, bei der wir viel Natur gesehen haben.“

Um legal in Argentinien bleiben zu können, mussten wir innerhalb von 90 Tagen kurz aus dem Land aus- und wieder einreisen. Das haben wir mit einem langen Wochenende in Uruguay gelöst, wo man mit dem Boot innerhalb von 1 Stunde ist! Wir waren dann 1 Tag in Colonia (sehr schönes kleines altes Städtchen) und sind danach für 3 Tage nach Montevideo (Hauptstadt) weitergereist.

Schließlich sind wir auch unheimlich viel ausgegangen! Vor allem in den Vierteln Palermo, Puerto Madero und San Telmo. Außerdem war es praktisch, Mitglied der Facebook-Gruppe BAIS Argentina zu sein, da sie viele Partys für internationale Studierende organisieren (Empfehlung!!)

„Außerdem war es praktisch, Mitglied der Facebook-Gruppe BAIS Argentina zu sein, da sie viele Partys für internationale Studierende organisieren.“

Es gibt eigentlich noch so viel über die Zeit in Argentinien zu erzählen, aber ich hoffe, dass ich den Personen, die sich für dieses Praktikum interessieren, schon ein besseres Bild geben konnte!

CIAO!

Joyce